Therapie eines Charcot-Fuß

Das ultimative Ziel der Therapie muss IMMER die Verhinderung einer Deformität des Fußes sein!

Nur so können mögliche Einschränkungen in der Mobilität der Patienten abgewendet werden.

Daher bedeutet ein roter, geschwollener und überwärmter (>2°C) Fuß bei einem Diabetiker ohne offensichtliche Infektionsquelle einen Charcot-Fuß und damit immer einen Notfall, der eine sofortige Behandlung erfordert!

Daher vereinbaren Sie bitte einen Termin in unserer Fußambulanz (E-Mail / Telefon) oder in einer Fußambulanz in Ihrer Nähe, wenn Sie Fragen zur Therapie haben oder befürchten, dass ein Charcot-Fuß bei Ihnen vorliegt.

Therapie in der akuten / aktiven Phase

Der Hautpfeiler der Therapie ist die Entlastung des Fußes und damit eine nicht-chirurgische Behandlung.
Im akuten / aktiven Stadium geschiet dies durch die wöchentliche Anlage eines Unterschenkelgips in unsere Ambulanz. Dieser Gips wird TCC (Total Contact Cast) genannt und ist der Goldstandard der Therapie. Ambulanzen die die Gipstechnik nicht beherrschen, müssen zur Entlastungsbehandlung auf Spezialorthesen zurückgreifen mit allen ihren „Nach- und Vorteilen“.
Betroffene sollten mit Unterarmgehstützen oder einem Rollstuhl versorgt werden, um die Ruhigstellung und Entlastung des Fußes noch zu erhöhen.

Die Länge der Therapie richtet sich nach dem Verschwinden der Symptome und radiologischen Befund (Stabilität des Knochens). Im Durchschnitt dauer die akute / aktive Phase 6 Monaten. Somit muss mit einer Anlage von 26 TCCs in dieser Zeit gerechnet werden.
Ist es in der akuten / aktiven Phase zu Deformitäten gekommen, kann das Fußskelett nur duch die Behandlung stabilisiert werden, die Deformierung bleibt jedoch bestehen.

Therapie in der chronisch / inaktiven Phase

In dieser Phase des Charcot-Fußes ist das Ziel eine Fehlbelastung und Rückkehr in eine akute / aktive Phase zu verhindern.
In dieser Phase muss die Versorgung beider Füße mittels orthopädischen Schuhwerkes erfolgen. Die Füße müssen langsam an die Belastung gewöhnt werden. Hiermit sollen Überbelastungen an beiden Füßen vermieden werden, so dass nicht auch am nicht betroffenen Fuß ein Charcot-Fuß entsteht.
Außerdem soll mit dem orthopädischen Schuhwerk versucht werden, die Entstehung von Wunden an den Füßen zu verhindern. Da diese gerade beim Charcot-Fuß eine langwierige Behandlung nach sich ziehen.

Waren die Maßnahmen nicht erfolgreich und hat der Betroffene starke Beschwerden, muss über eine chirurgische Therapie nachgedacht werden. Diese sollte in einer Abteilung mit technischen Orthopäden erfolgen. Die Operationen sind sehr aufwendig und die Nachbehandlung ist sehr langwierig und gehört damit in die Hände von Spezialisten!! Hier wird dann die entstandene Fehlstellung so weit korrigiert, dass eine größere Mobilität wieder erreicht werden kann oder keine Wunden mehr durch die Fehlstellung entstehen können.

Nicht zuletzt erfordert eine Behandlung auch ein großes Maß an Mitarbeit durch die Patienten, wenn sie erfolgreich sein soll. 
Eine optimale Behandlung der diabetischen Stoffwechsellage (HbA1c: 6,5 – 7,5%) ist wichtig. Es fördert den Heilungsprozess, hilft eine erneute akute / aktive Phase zu verhindern und mindert das Risiko einer Charcot-Fuß-Entstehung.


Mit der erfolgreichen Therapie ist ein Team aus verschiedenen Spezialisten betraut. Die Leitung der Therapie sollte von einem Diabetologen in einer diabetologischen Fußambulanz wie unsere erfolgen. Weiter zertifizierte Ambulanzen in ihrer Nähe findet man auf der Seite der AG-Fuß.
Zum Team zählt neben dem Diabetologen, Podologen, Ortopädieschumacher, technischer Orthopäde, Radiologen und Gipstechniker.

Verfaßt Dr. med. Markus Redzich für Praxis Dres. med. Redzich / Patzelt – ihr Diabetologe auch für Witten